Ein Sketchcrawl in Maastricht

Jedem sollte das niederländische Maastricht für eine Sache bekannt sein: im Maastrichter Gouvernement wurde der Vertrag von Maastricht vom Europäischen Rat am 7. Februar im Jahr 1992 unterzeichnet. Das war der Gründungsstart der Europäischen Union – die ich im Übrigen befürworte, nicht zuletzt aufgrund der durch sie und das Schengener Abkommen existierenden Barrierefreiheit innerhalb der EU, die uns das relativ unbeschwerte Reisen über nationale Grenzen hinaus ermöglicht. Für die Leute heutzutage ist das eine ganz selbstverständliche Angelegenheit, und so sollte es auch sein.

Diamantenförmige Brückenausarbeitung. Im Hintergrund sieht man das Gouvernement. Dort wurde der Vertrag von Maastricht unterzeichnet – Gründungsbeginn der Europäischen Union.
usk Maastricht

Maastricht ist aber auch für seine Keramiktradition der De Sphinx Fabriek bekannt. Und von wo aus ehemals Keramik in aller Herren Länder exportiert wurde, entsteht seit geraumer Zeit ein Kulturviertel, das Sphinxkwartier. Hier befindet sich heutzutage das The Student Hotel, zu dem ich im März 2018 hinpilgerte, um gemeinsam mit anderen Urban Sketchern zu zeichnen. Meine erste Skizzen-Session in den Niederlanden!

Bavaria Bier (Niederlande)

Zunächst kam ich am alten Gebäude des Maastrichter Hauptbahnhofes an, welches bereits von De Sphinx stilistisch geprägt war. Das Allererste, was ich im Bahnhof sah, war ein riesiges Werbebanner für ‚Bavaria‘ Bier, was mich einigermaßen amüsierte, denn ich hatte mich zum einen auf der Busfahrt nach Maastricht darüber aufgeregt, daß das Klientel vor mir während der Fahrt innerlich und äußerlich Bier als ihr zentrales Thema hatten. Zum anderen ist es immer kurios, wenn ein Produkt einer Gegend mit dem Namen einer ganz anderen Gegend Werbung betreibt. Mittlerweile habe ich im Übrigen herausgefunden, daß die holländische Bavaria Brauerei ihre Marke „BAVARIA“ in Deutschland zugunsten des Bayrischen Brauerbundes e.V. löschen mußte. Mehr oder weniger seltsame Details, die man durch das Reisen erfährt, weswegen das Reisen den Horizont in jeder Hinsicht erweitert und unbedingt zu empfehlen ist.

Über die Maas in Richtung Innenstadt…

Vom Bahnhof aus machte ich mich dann auf den Weg über die Maas. Ich hatte den Weg zum The Student Hotel vorher durchstudiert, und fand, daß es mit einem ca. anderthalb Kilometer langen Fußweg leicht zu erreichen war. Dort angekommen wurde ich freundlich von Ruud, dem Organisator des Maastrichter Sketchcrawls (Facebook: Urban Sketchers Maastricht) und den mir noch unbekannten Mit-Skizzierern empfangen (danke dafür!).

Da man zusammenkommt, um gemeinsam zu sketchen und damit auch jegliche  Anflüge von Schüchternheit einfach wegzeichnen kann, besorgte ich mir kurzerhand einen Kaffee mit veganer Milch, pflanzte mich – neben eine Pflanze – in eine Ecke vor einem Meditationsnetz (!), auf dem man liegen und sich TED-Reden anhören konnte (man mag davon halten, was man will…) und begann zu zeichnen.

Ich finde an diesen Sketchrunden so schön, daß man stundenlang völlig zwanglos zusammensitzt, ohne, daß man sich vorher kennen muß. Man spricht wenig und vertieft sich viel in seiner Zeichnung, zwischendurch führt man einige interessante Gespräche mit diesem und jenem Mitskizzierer, tauscht sich aus und findet, je nachdem, weitere Inspirationen für Farben, Perspektiven und anderes. Man zeigt sich gegenseitig seine Skizzenbücher, lacht auch mal über mißlungene Ansätze ohne streng zu sein, gibt und bekommt Tipps, und für einige Stunden spielt sonst gar nichts weiter eine Rolle. Perfetto!

Es ist übrigens keine Weltflucht zu skizzieren, es ist auch kein Eskapismus, sondern eine Vertiefung. Hinzu kommt, daß man immer neue Bekanntschaften bei den Sketchcrawls macht und einige einem unter Umständen auch erhalten bleiben. So werde ich im Mai in Belgien beim Skizzieren in Liège (Lüttich) an der Ecole Supérieure des Arts de la Ville de Liège wohl einige mir jetzt schon bekannte Gesichter wiedersehen, und ich freue mich darauf!

Nach dem Zeichnen zeigte mir der talentierte französische Mitzeichner und Ortskenner Mika Hell noch ein wenig von Maastricht, bis unsere Busse abfuhren. Ich freute mich über ein paar Fotos, die ich so noch einfangen konnte und beschloß, doch einmal öfters in diese Stadt zu fahren…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s