Limburg (Hessen) im Frühling

Den ersten warmen Tag verbrachten wir in Limburg (Hessen; ‚Lintpurc‘ – ‚lint‘ ist eine Referenz auf ‚Wasser‘), was sich als sehr angenehm und wohltuend erwies. Dieser idyllische Ort hat sich fühlbar seine keltische Prägung bewahrt, trotz wenig Interaktion mit seinem Fluß, der Lahn, die bei Lahnstein in den Rhein mündet. Da ich zwei Stunden früher ankam als mein Mitreisender, der von der Pfalz her anreiste, konnte ich mir noch etwas Zeit nehmen, um zu skizzieren. Das Schöne beim Skizzieren im öffentlichen Raum ist, daß man dadurch mit neugierigen Einheimischen in Kontakt kommt, die einen prompt ansprechen. So erfuhr ich von einer älteren Dame, daß sie in einem der alten Fachwerkhäuser geboren war, und hätte ich die Zeit dafür gehabt, hätte sie es mir sicherlich noch gezeigt, denn sie schien sehr bemüht.

Das erste Gebäude, das mir auffiel und in das ich spontan hineinging, entpuppte sich als das ehemalige Rathaus Limburgs, wie mir drinnen von einer weiteren, sehr freundlichen Dame erklärt wurde. Ausgestellt waren überdimensionale Graphitzeichnungen im Rahmen der Ausstellung „Die Seelenzeichnerin“ (Realismus), die mit teilweise über 1000 Arbeitsstunden pro Werk beeindruckten.
Die Limburger erschienen mir generell als ein sehr freundliches und liebenswertes Völkchen. Das überdimensionale Vorkommen an italienischen Restaurants gibt dem Ort ein gewisses südliches Flair, und beim Betrachten der putzigen mittelalterlichen Architektur fragte ich mich, ob Menschen, die sich hauptsächlich unter keltischen Architekturelementen aufhalten, allgemein freundlicher sind…

Die ursprünglich keltische Besiedelung fand um den später sogenannten „Domfelsen“ statt. Die Christen bauten sukzessive oft dort, wo pagane/heidnische Zentren waren, die ehemalige Besiedelung dominierende, sakrale Gebäude, und so ist das auch hier geschehen. Über den Limburger Domfelsen kann man auf der Seite des Geoparks mehr erfahren.

Das überall wiederkehrende keltische „X im Diamanten“ leuchtete mir natürlich auch in diesem Ort entgegen. Dieses Symbol zieht sich offenbar durch alle Strömungen und Richtungen. Besonders auffällig gestaltet fand ich das u.a. Haus in der Nähe des Doms (Abb. rechts). Unten sieht man das X im Diamanten, in der Mitte die Achse mit den zwei stilisierten Fliegenden (Flug = Geist/Gedanke). Der Diamant repräsentiert unter anderem das, was später im Christlichen als Mandorla bezeichnet wird. Die älteste Darstellung hiervon, die ich irgendwo vor Ort ansehen konnte, befand sich im Museum für vorantike Cucuteni Kunst im rumänischen Piatra Neamt.

Nachmittagskaffee tranken wir in einem der alten Cafés in der Innenstadt, und ich hatte wieder das Gefühl, mich in einer anderen Zeit zu befinden. Allerdings hat der Zahn der Zeit doch sichtbare Unwuchten in die Architektur gebracht, und bei den putzigen schiefen Häusern am Bischofsplatz wundert man sich schon etwas, wie die Statik da noch den notwendigen Rahmenhalt gewährleistet…

Zur Magischen Stunde der Abenddämmerung wanderten wir durch die warme Frühlingsluft über die Brücken Limburgs, um den Sonnenuntergang fotografisch festzuhalten. Das war einerseits gewissermaßen zauberhaft. Leider macht der Ort jedoch von seinem Flußufer für meinen Geschmack keinen adäquaten Gebrauch. Es könnten dort Cafés sein, die das Leben am Fluß kulturell wesentlich attraktiver machen würden, aber stattdessen ist dort auf beiden Seiten so gut wie gar nichts. Schade drum! Es wirkt fast so, als würde der Fluß aus irgendeinem Grund bewußt kulturell gemieden, dabei hatte Limburg bereits im Mittelalter einen florierenden Handel gerade durch den Fluß, was für eine nachhaltige kulturelle Prägung hätte sorgen müssen. Vielleicht ist es einfach nur die übliche schlechte, undurchdachte Stadtplanung der vergangenen Jahrzehnte, die sich hier wie an so vielen Orten negativ auswirkt – vielleicht hat aber auch eine strenge Kirchenagenda das Entstehen eines „fröhlichen Flußvolkes“, im Zeichen seiner paganen Vergangenheit vor über tausend Jahren, verhindert…

2 Gedanken zu “Limburg (Hessen) im Frühling

  1. Schön, dass es Dir in meiner Heimatstadt so gut gefallen hat. Und vor allem auch, dass wir Limburger Dir als freundliches Völkchen aufgefallen sind. Ich wohne auch sehr gerne hier. Bin 1994 „zugereist“ und hab mich sofort in Limburg verliebt.

    Herzliche Grüße! Jörg

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