Das Rhein-Maas-Delta Rotterdams & Utrecht

Im April 2018 nahm ich am lokalen Urban Sketchcrawl von Rotterdam im Tuin op de Pier, einem botanischen Projekt im Lloydkwartier, teil. Für mich ist die Rhein-Maas-Delta Region für einen Besuch nicht zuletzt deswegen interessant gewesen, weil ich sie schlichtweg noch nicht kannte und mir einen ersten Eindruck des Deltas verschaffen wollte. Im Vordergrund stand in Rotterdam für mich das gemeinsame Zeichnen, meine Weiterfahrt in Richtung Niederrijn ins ruhigere, idyllische Utrecht komplettierte den Tag.

Eine Gracht in Utrecht; Tusche auf Papier, 2018

Als ich den Bahnhof in Rotterdam in Richtung Innenstadt verließ, kam ich mir beim Anblick der Architektur der Centraal Station von von Ravesteyn und den umliegenden Gebäuden zunächst so vor, als wäre ich in einer modernen/postmodernen Zukunftsdystopie gelandet. An sich ein faszinierendes Tor in die Stadt, aber düster und merkwürdig blank. Wieder einmal merkte ich, daß man mich auch mit den umliegenden modernen Hochbauten, erinnernd an Frankfurt, überhaupt nicht reizen kann.

Ich machte mich also schnell auf ins Herz der Stadt in Richtung Lloydkwartier, das direkt am Fluß liegt und wie immer zu Fuß, denn so kann man eine Stadt am besten kennenlernen. Da ich vor dem Treffen mit den anderen Zeichnern noch einige Zeit hatte und von der Zugfahrt hungrig war, machte ich Einkehr im vegetarischen Restaurant Green Delight. Und wie so oft, wenn ich irgendwo vegetarisch/vegan einkehre, war das eine herzliche Erfahrung. Herzlichkeit, Offenheit und pflanzenbasierte Ernährung scheinen international ineinander überzugreifen, was das Ganze unter anderem so besonders macht.

Internationale Herzlichkeit ist auch beim Urban Sketching ganz groß geschrieben, und so ging mein Spaziergang hiernach direkt weiter in Richtung Lloydkwartier im historischen Stadtteil Delfshaven.

Als ich im Delfshaven ankam, wurde ich von den rotterdamer Urban Sketchern dann auch ebenso herzlich aufgenommen.  Das ist das Schöne am Urban Sketchen: egal, wo man hinkommt, man gehört einfach dazu und zeichnet einfach mit. Es gibt keinen besseren Grund, um weltweites Reisen und USk miteinander zu kombinieren.

Die Sonne brannte auf meine Haut, der Sonnenschirm und der Wind kämpften gegeneinander, und es war eine tolle Zeichenrunde im Tuin op de Pier! Es handelt sich hierbei um ein Bürgerprojekt, das sich ein brachliegendes Stück Land im Lloydkwartier auf botanische Weise zu eigen gemacht und eine eigene Floraidee für dieses Grundstück entwickelt hat. Hier werden Gemüsepflanzen und vieles andere angebaut, auch gibt es etwas abgegliedert einen eigenen Fruchtbaumbereich, und das Projekt, das ein tolles Vorbild für Städte ist, bringt Jung und Alt zusammen.  Die Vogelperspektive auf das Grundstück zeigt gut, wie sorgfältig und auf was für eine schöne Weise hier alles durchgeplant wurde.
Wie es aber so beim Zeichnen ist, verflog auch die Zeit wie mit dem holländischen Winde (kein Wunder also, daß der Fliegende Holländer Raum und Zeit überwinden kann!!). Nach einigen Stunden des gemeinsamen Zeichnens, Teetrinkens und Plauderns, war es dann an der Zeit, sich aufzumachen und zum Bahnhof zurückzugehen, um den Zug nach Utrecht zu nehmen, wo ich noch Zwischenhalt auf dem Heimweg machen wollte, um auch diese Stadt noch ein wenig zu erkunden. Ich nehme auf Reisen, egal wie lang oder kurz sie sind, immer gern so viel wie möglich mit, denn man weiß nie, ob man diesen Weg nur einmal gehen wird oder nicht. Da mich auf dem Rückweg zur Centraal Station eine der Zeichnerinnen, eine Architekturstudentin, begleitete und wir uns angeregt unterhielten, schoß ich nur ein paar wenige Fotos von ein paar Dingen, die mir ins Auge stachen.

Meine Neugier an Utrecht war literarisch und historisch begründet. Zum einen hatte ich mit vierzehn Jahren bei einer Theateraufführung von Brechts „Mutter Courage“ im Theater Trier für mich persönlich festgestellt, daß ich ganz gut darin war und auch meinen Spaß daran hatte, Interpretationen und Kritiken von Stücken zu verfassen, und ich hatte mich seitdem immer gefragt, wie Utrecht heutzutage wohl ist. Manche Relationen bleiben auf merkwürdige Arten und Weisen in der Seele hängen, was viel über die Tiefendimension von Bedeutung und der Fähigkeit der Seele, diese über Querverbindungen laufen zu lassen, aussagt. Bedeutung selbst ist die Sprache der Seele, Erkenntnis der Bedeutungsträger. Zum anderen war ich eines Tages auf die in Utrecht angebrachte Replik des Runensteins aufmerksam geworden, und ich wollte mir das irgendwann einmal in realiter anschauen.
Es war dann auch wirklich ganz zauberhaft in Utrecht, und es ist einer der Orte, den ich gern aufgrund seines schönen und auch historischen Flairs, das Rotterdam leider aufgrund seiner Geschichte zu einem gewissen Grad versagt ist, noch einmal besuchen möchte. Von Karyatiden über Feuerträger und dem Meisje op draaimolenpaar bis hin zur berühmten Kopie von Harald Blauzahns Runenstein ist hier alles vorhanden.

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