Die Frau und patriarchalische Gesellschaft

Meine Gedanken zur Veranstaltung „Female Voice of Iran – Iranian women in Transcultural Dialogue“ an der Universität zu Köln, im Februar 2017

Ich weiß nicht, wie eine weibliche Revolution gelingen soll, wenn die Frauen der Revolution sich selbst als „zerbrechliche Blume“ anstatt als ganzheitliches Wesen identifizieren und darstellen. Sexuelle Selbstbestimmung ist in den Vorträgen thematisch überhaupt nicht vorgekommen, noch scheint sie ansatzweise aufgearbeitet. Die Frau muß einer erfundenen Agenda der „Weiblichkeit“ entsprechen, und da blieb das Ganze, zumindest in der Referierung, stehen.
Die religiöse Agenda des Dualismus wird nicht ansatzweise berührt, stattdessen wurde vorgeschlagen, daß man in religiösen Büchern danach suchen solle, ob diese beschrieben, die Frau dürfe stimmhaft nicht lautbar werden. Die Frau sei nur „weiblich“, der Mann nur „männlich“, und Weiblichkeit wird Gott zugeschrieben, als Attribut, das ein patriarchalischer Gott gnädigerweise der Frau überlassen habe, anstatt daß die Charaktereigenschaften einer Person selbst zugeschrieben werden. Der Schöpfungsmythos als Diktat. Ein Mythos, der fiktional ist und aus Symbolen besteht.
Die Frau bleibt selbst für die Revolutionäre und Revolutionärinnen die „Gebärende“, die „Mutterfigur“, die ohne die Funktion des Kinderkriegens keinen Stellenwert in der Gesellschaft haben kann, da ihre ganze Wesenheit sich um sie als Trägerin des Uterus handele. Männer hätten nicht die Tiefenempfindungsfähigkeit der Frauen. Die drei Männer hinter mir fühlten sich zwar durch diese Darstellung gekränkt, wie sich in der Diskussion, die ich später mit ihnen provozierte, herausstellte, denn sie fühlten doch tief und waren empfindsame Musiker! Effektiv dürfe man aber gegen Religionen nicht diskutieren, weil sie zu schützen seien.
…So ein Unsinn! Es muß diskutiert werden! Der Kulturkampf beginnt da, wo die Patriarchen versuchen, Dominanz auszuüben, um Menschengruppen (Frauen, Andersdenkende etc.) auszugrenzen, um sie zu entmachten. Die Fähigkeit der Männer zu unterminieren, sensitiv und sensibel zu sein, indem behauptet wird, nur die Frau habe solche „ihr von Gott gegebenen Talente“, ist grob fahrlässig und wird symbolisch/gedanklich absichtlich betrieben, also gesteuert von Leuten mit Agendas. Eigentlich ist immer Frau im Mann und immer Mann in der Frau – und in ganz individuellen Gewichtungen beim Einzelnen. Es war der einfachste Coup der Welt, diese Quintessenz zu unterschlagen und Geschlechter künstlich voneinander durch operante Konditionierungsausformungen zu trennen.
Somit richtet sich diese Agenda zirkulär von revolutionären Frauen gegen Frauen – sie brechen nicht aus aus dem Grundproblem der dualistischen Trennung, sondern bewegen sich weiterhin im Gedanken der „ewigen Mutter“. Divide et impera! wird hierbei von ihnen selbst völlig übersehen, eine Manipulation aus unbewußten Motiven und anhand unbearbeiteter Prämissen aufgrund des Fehlens elementarer Fragestellungen. Was der Priester in „No Land’s Song“ über Frequenzen sagte (die Stimme der Frau verfüge über Frequenzen, die den Mann „verunreinigen“ – weil Freude/Glücklichsein in den abrahamischen Glaubensrichtungen als negativ gilt, was damit zusammenhängt, daß Glücklichsein die Konditionierungssysteme sprengt!), ist somit eine sich selbsterfüllende Prophezeiung, da der Dualismus, den die Revolutionärinnen aufrechterhalten, dazu führt, Glücklichsein weiterhin zu unterdrücken. Grund: Glücklichsein ist immer individuell, das Individuum aber ist ganzheitlich in sich weiblich UND männlich, nicht nur eins von beiden. Da die dualistischen Religionen sich aber an Geschlechtsmerkmalen festhalten, unterschlagen sie die Realität der Seele. Wenn sie doch eigentlich für die Seele hätten zuständig sein sollen. Stattdessen wird institutionell körpermerkmalsbezogener Faschismus betrieben.
Die spirituelle Verbindung durch die Musikausübung wird von den Musikerinnen erkannt, aber dann wird sie wieder unterbewußt der religiösen Agenda zugeschustert: das Innen, das fühlt, das empathisch intensiviert, wird nicht personalisiert, sondern depersonalisiert und de-individualisiert. Der anonyme, unbekannte, patriarchale Gott wird als Quelle der musischen Verbindung deklariert. Die Verbindung wird vom Patriarchat so versuchsweise in Besitz genommen. Natürlich kann aber niemand eine innere Verbindung eines anderen tatsächlich in Besitz nehmen, man braucht sich als Person mit eigenen Gedanken nur abzuwenden. Abwenden von falschen Idealen, die das Privatleben und das öffentliche Leben von Personen auf gewünschte Arten und Weisen festlegen sollen. Diese Ideologien sind dazu gedacht, die Realität von Personen auszublenden, Individuen werden pseudo-nichtexistent gemacht (Entmachtung!). Dies gilt für den Iran in Folge der 1979er Revolution, dies gilt aber auch für Europa. Deutschland ist kein säkularer Staat, das wird bis heute gern übersehen.
Das Problem, das der Dualismus auch hier schafft, ist das ewige „Frauen gegen Männer“, „Weiblichkeit gegen Männlichkeit“ etc. -> das Problem der Ideologie der Spaltung.

ZENTRAL: Frauen müssen allgemein aufhören, sich über das Kinderkriegen zu identifizieren. Sie und die Männer müssen nach innen schauen und Identifikation von da walten lassen. Aufgabe der Politik wäre, die Selbstbestimmtheit zu fördern und dahingegend zu wirken, daß Männer und Frauen gleichberechtigt geboren worden sind. Es ist Zeit für Säkularität! Das geht nicht nur den Iran etwas an, sondern auch uns hier in Europa, wo Migration bis heute nicht verstanden wurde.

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