Die Eyneburg bei Hergenrath-Kelmis

Im Dezember 2018 traf ich mich mit einigen Künstlern zum gemeinsamen Sketchcrawl in Hergenrath-Kelmis, Belgien, den der Künstler Mika auf meine Anfrage hin organisiert hatte. Ziel war die historisch sehr interessante Eyneburg, deren architektonische Vorläuferin der Legende nach bereits von Karl dem Großen besucht worden ist und die mich von einem Foto her visuell förmlich angesprungen hatte. Mich faszinierte die Optik der Bauweise, und ich wollte unbedingt einmal vor Ort mit dem Gebäude in Tuchfühlung gehen.

Vor Ort trafen wir uns zu dritt am lokalen Bahnhof und gingen zunächst in eine kleine Gaststätte, wo wir uns warmzeichneten, um erstmal anzukommen und im Warmen bei einem Kaffee noch auf zwei weitere Mitzeichner zu warten.

Nachdem die Zwei eingetrudelt waren und wir fertig mit unseren Skizzen waren, machten wir uns gemeinsam auf zur Eyneburg. Ich konnte es kaum erwarten und genoß den Spaziergang über den idyllischen Waldweg zur Burg.

Umso größer war meine Enttäuschung, als wir auf dem Burghügel feststellten, daß die Burg geschlossen war und wir keinen Zutritt zum Innenhof haben würden. Auch befand sich die Burg in einem desolaten Zustand, trostlos lagen bereits im Außenbereich alte, verrottende Dinge herum, und zu allem Übel war gleich oberhalb der Burg noch ein offensichtlich unmenschlich geführter bäuerlicher Betrieb. Die Trostlosigkeit war nicht zu überbieten. Während ich betrübt vor einer Wiese mit einer einsamen, ausgelagerten Kuh stand, hielt plötzlich ein Wagen neben mir an, ein Mann stieg aus, und wir begannen spontan, uns über den Zustand dieses belgischen Milchbetriebes zu unterhalten. Der Mann wußte einiges über die Gegend, und ich erfuhr später, daß die Polizei hier bereits einige Male aufgeschlagen war, Leute sogar von dem Bauern bedroht worden waren, aber bisher niemand etwas in Bezug auf den Umgang mit den Tieren bei dieser Person erreicht hatte. Wir beratschlagten, konnten aber zu dem Zeitpunkt nichts ausrichten, und einmal mehr verfluchte ich die Art und Weise, wie Menschen mit Tieren umgehen. (Man kann selbst zumindest etwas an der desolaten Situation ändern, indem man keine tierischen Produkte mehr kauft –  das nebenbei.)
Schlußendlich war es Zeit für die freundliche Zufallsbekanntschaft, weiterzufahren, doch dann überlegte er sich, aufgrund des netten Gespräches uns dem Burgwächter vorzustellen, den er zufällig kannte, damit wir möglicherweise doch noch im Burghof zeichnen könnten. Wir gingen also mit, und am Ende war es uns tatsächlich – mit ein bißchen Charme und überredendem Lächeln – vergönnt, in den Burghof zu gelangen und dort unserem eigentlichen Ziel, das Objekt zu zeichnen, zu frönen.

Während des Zeichnens unterhielt ich mich dann eine recht lange Zeit mit den zwei Herrschaften und erfuhr noch so einiges über die Hintergründe des Problems des voranschreitenden Zerfalls dieses historischen Gemäuers und der ausbleibenden Investoren. Zum Glück kann ich mich mittlerweile mit anderen unterhalten und dabei noch einigermaßen zeichnen – auch wenn ich letztenendes doch viel lieber im Stillen meine Skizzen anfertige, denn ohne Konzentration ist das Zeichnen so eine Sache. Aber es hat nunmal alles seine Zeit, und nicht nur wollte ich aus Gründen der Dankbarkeit über die großzügige Geste uns Fremden gegenüber die Herren bei Laune halten, sondern es sind solche Gespräche an sich auch sehr ergiebig, weil man natürlich einiges über die Gegend und Umstände erfährt.

Toll sind übrigens auch die Fotos geworden, die meine lieben Mitsketcher Claudia und Philippe in der Zwischenzeit machten! Die Kulisse zeigt sehr deutlich, was für ein spezieller Ort dies ist, der auch gelegentlich für Dreharbeiten herhalten muß:

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