Traumwindpfade

Traumlyrik der letzten drei Jahrzehnte
mit selbstgestalteter Lyrik und Kunst
Veröffentlichung: 2021

Im Traume Kam Ich Oft Nach Haus‘
(dcr, 2018)

Der Abend öffnet das Gemüt,
Kein Wort verdirbt mehr das Gedachte;
Geheimnisvolles Lichtlein glüht
Hinein ins Herz, das immer wachte.

Im Traume kam ich oft nach Haus‘,
Wo eines ander’n Traume lebte,
Empfing mich liebevoll der Tag,
Wo Nacht sich durch die Stoffe webte.

O sag‘ mir, Traum, wie soll ich leben,
Wenn deine Liebe so immens?
Und wie dir Wunderbares geben,
Wo Wunder nur ist, was du kennst?

In deinen Rätseln fang‘ ich Sterne,
Die niemals in den Himmeln war’n;
Von deinem Geist trink‘ ich so gerne,
Werd‘ den Geschichten niemals Gram.

So übertret‘ ich deine Schwelle,
Vor der es wohl den Vielen bangt
Und trinke tief aus deiner Quelle,
In die es mein Herz ewig heimverlangt.


Der Spiegelberg
(dcr, 2016)

Ich ging in Welten kühn, die ich nie hatt’ vernommen,
Belebte mancher Seele ehern Hauch,
Durchflog die starren, kühlen Wände mal beklommen,
Mal voller Furcht, doch niemals gab ich auf.

In unbekannten Gärten sucht’ ich Pfade,
Zu einem Leben, das ich nie gekannt
Und kam an einen Brunnen meiner Frage,
Wo unter Mond an Mitternachten dort ein Jüngling stand.

Mein Herz, das machte sieben Weltmeerschläge,
Wie eine Uhr schlug es im zarten Stundenglas,
Wir schwiegen und doch zog es in uns rege,
Ein mystisch Band, das Seelen ineinanderlas.

Wie wir so standen, da blühte auf der Garten,
Den ich so lange einst gesucht, doch niemals fand,
Und ich erkannte in dem Jüngling alle Gärten,
Und er kam zu mir, zu öffnen seine Hand.

Da sah ich das Geheimnis dieses Jungen,
Behütet lag es da vor mir im Wind,
Es war mein Herz in seinen Händen tief umschlungen,
Dasselbe Herz, das ich einst an ihn gab (als Kind…).

Jetzt sang die Minne mir die Antwort auf die Frage
Zurück all das, was ich einst hatt’ gewußt,
Der Spiegelberg verlor all seine Klagen,
Und es verlangte beiden nach dem Kuß.

So ging ich hin zu ihm und öffnete die Hände,
Die meinen, in denen sein Herz so lang schlug,
Und unser beider langes Warten fand ein Ende,
Es war dasselbe Herz, das ich auf Händen trug.


Dies Sind Die Zeiten
(dcr, 2015)

Dies sind nicht die Zeiten der stillen Akzeptanz,
Dies sind die Zeiten des Redens, des Streitens,
Des Tanzens, des Begehrens, des Störens,
Des Verdrehens, des Verkehrens;
Und vielleicht ist dies besser als die Zeiten
Des Schweigens, des Verharrens im Schein,
Des Unantastbarbleibenwollens und der Angst
Vor Berührung, vor Zerstörung, vor Genesung.

Dies sind nicht die Zeiten der völligen Ruhe,
Dies sind die Zeiten des Hammers,
Der auf den Tisch gefallen ist,
Der das Spiel neu sortiert;
Und wer will mich strafen, daß ich läch’le,
Wenn das Leben so stark atmet, so wild rennt,
Durch die Gärten seiner Seelen, deren Herzen
So stark klopfen, daß die ganze Welt am beben ist?

Manchmal, da schaue ich leise in den Wind,
Der durch die Augen aller Wesen weht,
Dorthin, wo die Geschichten noch am blühen
Und die Kinder die Könige der Träume sind;
Dort allein verbringt mein Herz seine uralte Wacht,
Beschützt es Freude, Spiel und Güte,
Weiß es um das Ahnen der Lebensmitte,
Weiß es, daß wir ganz sind und Illusion die Schwärze der Nacht.


Drum Bin Ich Zärtlich Zu Der Welt
(dcr, 2013)

Im Gefühl verweht steh‘ ich vor dir,
Die Welt, sie wird mir seltsam;
Mein Herz, der steinerne Stern,
Bist mir so nah und doch so fremd.

Wer bist du, und wo wollten wir hin?
In traumgedachten Nächten treffen wir
Das, was wir Liebe nennen,
Und was wir doch kaum kennen.

Wie Kinder in Bächen spielen,
Fangen wir die Schmetterlinge unserer Seele ein,
Als wollten wir uns alles aufeinmal
Gegenseitig in einem Sack überreichen.

Und so wandeln wir in diesen Körpern,
Dimensionen voneinander getrennt,
Und hoffen, daß wir es doch auch hier
Noch irgendwie schaffen zu begreifen.

Die Spiegel dieser Welt zeigen mir dich,
Die Physik unserer Liebe ist der Raum,
Den wir uns gegenseitig anfüllen,
Und so berühre ich immer nur das Deine.

Drum bin ich zärtlich zu der Welt,
Die mich jetzt hier umschließt.
Ich will sie nicht verletzen;
Denn wenn du weinst, weine auch ich.


Licht Im Spiegel
(dcr, 1998)

Verruchte Viertel, in denen
Sich wie bei Erde und Mond
Ein Licht im Spiegel betrachtet.
Ein zaghaftes Lächeln entschwindet,
In säumigen Falten verhüllt,
Und ganz ohne Grund verachtet.

Die Melodie einer Flöte,
Gespenstisch verknotet im Lauf,
Geht Leitern, nach unten gepachtet,
Mit quadrierten Vierteln gemästet
Und doch fast wie Balsaholz;
Im Duo zu obertonlastig.

Eine knarzende Schwingtür mißhandelt
Zwei Zahnräder, eisern gebraucht,
Uneinig abnutzend verhaftet.
Die Rache der Räder ist ölig,
Ihr Schrei hat den Menschen gestört,
Befleckt ruht die Tür nun und wartet.

Verruchte Viertel, in denen
Sich wie bei dir und mir
Ein gemeinsames Lied selber spielt –
Die Melodie einer Flöte,
Verknotet, gestört und verbraucht,
Doch ganz ohne Grund verachtet.


Kind der Welt
(dcr, 1998)

Ein Blick auf die Zeit verrät mir,
Daß ich müde geworden bin.

Meine Hoffnung darbt
An der Gleichgültigkeit,
Wird sie an ihr zerbrechen?

So gebe ich mich hin dem Strom der Zeit,
Lese Vergangenheit und Zukunft;

Im Rhythmus meiner Selbst
Will ich mich finden,

Will ich die Ängste und die Sehnsucht
Nach Geborgenheit erfahren
Und die Konturen meiner Stille klar umreißen.

Angst hab’ ich nicht, doch weiß ich,
Daß der Tod mich nicht verdient,
Der viele Seelen einverleibt.

Ich will allein mit mir im Untergang
Noch einmal hier geboren werden

– Ist diese Welt auch nicht die meine,
Ich liebe sie und ihre Kinder.


Hab’ Keine Angst
(dcr, 1998)

Alles fließt.

Hab‘ keine Angst.

Auch du wirst eines Tages
Die unendliche Schönheit
Deines verlorenen Ichs
Entdecken und erkennen,
Daß deine Einsamkeit
Dein Glück nicht nur verdeckt,
Sondern emporhebt
Zu den tragenden Wellen deines Seins,

Hab‘ keine Angst,

Wenn du dich selbst nicht mehr verstehst,

Hab‘ keine Angst,

Doch lauf‘ nicht fort,
Vorbei an der Finsternis, nein,
Tauche ein in die Vergänglichkeit,
Verlaß den Weg, doch bleib‘,
Denn nichts macht Angst,
Als der verlassene Pfad des sich’ren Ichs,
Du bist in dir
Und kannst dich nicht verlassen,
Wenn du im Kreis dich drehst…

Nun brichst du aus,
Willst es in Qual mit dir gemeinsam fassen,
Gibst dir noch keine Chance…

Hab‘ keine Angst,

Dein Körper sieht
Die Wunden deiner Seele
Und ist dein bester Freund
Für deine Zeit.
Glücklich sein
Ist schwer allein, weinst du auch
Um die Zukunft?

Hab‘ keine Angst.

Alles fließt.


Wenn Alle Liebenden Zusammen
(dcr, 1995)

Wenn alle Liebenden zusammen,
Alle Herzen steh’n in Flammen,
Und alles neu, so gut und schön,
Obwohl man Angst hat hören geh’n,
Wenn jeder Windhauch prophezeit,
Daß hierauf folgt nur Einsamkeit,
Auf die so stark entfachte Glut,
Dann sind wir beiden, du und ich,
Einander gut.

Und traust du dich zu sagen,
Was tief in deinem Innern dich bewegt,
So werde ich dich fragen,
Ob meines Atem Hauche dich belebt,
So wie die Blume blüht, wenn Sonne sie bedeckt,
So wie die Glut durch zarte Luft
Ein Feuer facht so groß.

Doch kommt der Tag, wo alles wird zerbrechen,
Ich gehe fort, allein, ohn‘ Unterlaß,
Werd‘ suchen eines friedlicheren Ortes,
Wo Gott mag schlichten meinen Haß.
Und eines Tages sehe ich dich wieder,
Die Glut in meinem Herzen fängt zu brennen an,
Das Feuer, das von dir entfacht, wird größer,
Und als du mich erblickst,
Bin ich verbrannt.


Das Licht
(dcr, 1993)

Kälte – ich erfriere!
Doch da ist wieder dieses seltsame,
Helle Licht,
Das Wärme mit sich bringt,
Licht, das nicht alle Menschen sehen,
Licht, das manchmal unglaubliche Kraft verströmt,
Licht, das von der Liebe ernährt wird,
Die vom Licht erwärmt wird –
Und wenn ich weine,
Dann ist mir das Licht am nächsten.


Traumwelt (1992) | Traumwelt II (2009)

(dcr, 1992)
Ich zittere,
ein Windhauch löst mich aus meinen Träumen,
die sich wie eine endlose Kette aneinanderreihen
und doch unerreichbar sind.
Meine Gedanken klammern sich fest an diesen Träumen,
lassen sich nicht lösen.
Ich kann mich nicht konzentrieren,
es ist wie eine Leinwand vor meinen Augen,
auf die ich ständig zu sehen scheine –
und doch ist alles so unbegreiflich weit entfernt.

(dcr, 2009)
Ich zittere nicht mehr.
Der Windhauch löst mich aus meinen Träumen,
Die sich wie eine endlose Kette aneinanderreihen,
Und sie sind so erreichbar wie jeder Ort im Leben.

Meine Gedanken halten sich fest an diesen Träumen,
Während die Träume sich an meine Gedanken klammern,
Und jetzt weiß ich, da ist kein Abtun,
Konzentration ist eine Sache der Selbstkontrolle.

Es ist tatsächlich wie eine Leinwand,
In die ich ständig zu gehen scheine,
Und nichts ist weit weg,
Es ist immer nah, umgibt mich.
Elektrisches Summen surrt durch meine Zellen,
Der Energierausch zieht mich weiter in die Bilder hinein,
Die Klänge sickern in meine Seele,
Klänge von Stimmen, Wispern, Musik.

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