Traumwindpfade

Im Traume Kam Ich Oft Nach Haus‘
(dcr, 2018)

Der Abend öffnet das Gemüt,
Kein Wort verdirbt mehr das Gedachte;
Geheimnisvolles Lichtlein glüht
Hinein ins Herz, das immer wachte.

Im Traume kam ich oft nach Haus‘,
Wo eines ander’n Traume lebte,
Empfing mich liebevoll der Tag,
Wo Nacht sich durch die Stoffe webte.

O sag‘ mir, Traum, wie soll ich leben,
Wenn deine Liebe so immens?
Und wie dir Wunderbares geben,
Wo Wunder nur ist, was du kennst?

In deinen Rätseln fang‘ ich Sterne,
Die niemals in den Himmeln war’n;
Von deinem Geist trink‘ ich so gerne,
Werd‘ den Geschichten niemals Gram.

So übertret‘ ich deine Schwelle,
Vor der es wohl den Vielen bangt
Und trinke tief aus deiner Quelle,
In die es mein Herz ewig heimverlangt.


Der Spiegelberg
(dcr, 2016)

Ich ging in Welten kühn, die ich nie hatt’ vernommen,
Belebte mancher Seele ehern Hauch,
Durchflog die starren, kühlen Wände mal beklommen,
Mal voller Furcht, doch niemals gab ich auf.

In unbekannten Gärten sucht’ ich Pfade,
Zu einem Leben, das ich nie gekannt
Und kam an einen Brunnen meiner Frage,
Wo unter Mond an Mitternachten dort ein Jüngling stand.

Mein Herz, das machte sieben Weltmeerschläge,
Wie eine Uhr schlug es im zarten Stundenglas,
Wir schwiegen und doch zog es in uns rege,
Ein mystisch Band, das Seelen ineinanderlas.

Wie wir so standen, da blühte auf der Garten,
Den ich so lange einst gesucht, doch niemals fand,
Und ich erkannte in dem Jüngling alle Gärten,
Und er kam zu mir, zu öffnen seine Hand.

Da sah ich das Geheimnis dieses Jungen,
Behütet lag es da vor mir im Wind,
Es war mein Herz in seinen Händen tief umschlungen,
Dasselbe Herz, das ich einst an ihn gab (als Kind…).

Jetzt sang die Minne mir die Antwort auf die Frage
Zurück all das, was ich einst hatt’ gewußt,
Der Spiegelberg verlor all seine Klagen,
Und es verlangte beiden nach dem Kuß.

So ging ich hin zu ihm und öffnete die Hände,
Die meinen, in denen sein Herz so lang schlug,
Und unser beider langes Warten fand ein Ende,
Es war dasselbe Herz, das ich auf Händen trug.


Dies Sind Die Zeiten
(dcr, 2015)

Dies sind nicht die Zeiten der stillen Akzeptanz,
Dies sind die Zeiten des Redens, des Streitens,
Des Tanzens, des Begehrens, des Störens,
Des Verdrehens, des Verkehrens;
Und vielleicht ist dies besser als die Zeiten
Des Schweigens, des Verharrens im Schein,
Des Unantastbarbleibenwollens und der Angst
Vor Berührung, vor Zerstörung, vor Genesung.

Dies sind nicht die Zeiten der völligen Ruhe,
Dies sind die Zeiten des Hammers,
Der auf den Tisch gefallen ist,
Der das Spiel neu sortiert;
Und wer will mich strafen, daß ich läch’le,
Wenn das Leben so stark atmet, so wild rennt,
Durch die Gärten seiner Seelen, deren Herzen
So stark klopfen, daß die ganze Welt am beben ist?

Manchmal, da schaue ich leise in den Wind,
Der durch die Augen aller Wesen weht,
Dorthin, wo die Geschichten noch am blühen
Und die Kinder die Könige der Träume sind;
Dort allein verbringt mein Herz seine uralte Wacht,
Beschützt es Freude, Spiel und Güte,
Weiß es um das Ahnen der Lebensmitte,
Weiß es, daß wir ganz sind und Illusion die Schwärze der Nacht.


Ich Bin Die Müde Mondin
(dcr, 2015)

Ich bin die müde Mondin,
Die auf mich niederscheint,
Der Nebel weiße Schwaden
Im dunklen blauen Grau der Nacht,
Als Fadenschleier lichten Meeres
Absichtsvoll sehnsuchtvereint.

Ach lebenslange Klage,
Die du mich niemals lässt,
Das Herz ewig gefunden,
Gebunden doch so fest,
Du bist die treue Freundin,
Die lächeln lässt und spricht:

“Der Mond liebt doch die Sonne,
Solch Herzen brechen nicht…“
So mag so mancher Abend
Verbracht in Einsamkeit,
Verkünden noch von Wonne,
Im Spiegellicht der Ewigkeit.


Drum Bin Ich Zärtlich Zu Der Welt
(dcr, 2013)

Im Gefühl verweht steh‘ ich vor dir,
Die Welt, sie wird mir seltsam;
Mein Herz, der steinerne Stern,
Bist mir so nah und doch so fremd.

Wer bist du, und wo wollten wir hin?
In traumgedachten Nächten treffen wir
Das, was wir Liebe nennen,
Und was wir doch kaum kennen.

Wie Kinder in Bächen spielen,
Fangen wir die Schmetterlinge unserer Seele ein,
Als wollten wir uns alles aufeinmal
Gegenseitig in einem Sack überreichen.

Und so wandeln wir in diesen Körpern,
Dimensionen voneinander getrennt,
Und hoffen, daß wir es doch auch hier
Noch irgendwie schaffen zu begreifen.

Die Spiegel dieser Welt zeigen mir dich,
Die Physik unserer Liebe ist der Raum,
Den wir uns gegenseitig anfüllen,
Und so berühre ich immer nur das Deine.

Drum bin ich zärtlich zu der Welt,
Die mich jetzt hier umschließt.
Ich will sie nicht verletzen;
Denn wenn du weinst, weine auch ich.


Ewiges Liebeslied
(dcr, 2012)

Gestern Nacht, da liebtest du mich,
Wie sonst keiner mich lieben kann;
Ich gebe zu, ich möchte mehr
Von unserem magischen Elixierbann.

Bleib‘, geh‘ noch nicht, mein Liebster!
Du bist es, der mein Herz mit sich trägt.
Schenk‘ mir Worte, damit ich erzählen kann
Von dem, was uns bewegt.

Du und ich, wir schreiben Geschichte,
Des Herzens, der Rastlosigkeit,
Des bittersüßen, verzehrenden Schmerzens,
Der uns doch immer vereint.

Unsere Glückseligkeit ist die der Götter,
Verbunden weilen wir fort,
Unsere Karma längst überwunden,
Tauchen wir ein in den ewigen Ort.


Die Erdenwelt
(dcr, 2010)

Deine Seele ist der Bogen zu den Farben meines Geistes,
Durch den ich reise mit meinen ungesehenen Flügeln.
Wir kommen zusammen, deine Augen werden zu den Fenstern,
Mit denen ich die mystischen Lande bereise, wir fliegen vereint.

So seltsamst ist es, wenn ich dich in meiner Welt treffe,
Denn du bist ich, und doch reisen wir separat,
Können in Dualität uns treffen, zwei sich sehnende Teile,
Zwei Leute im Morgennebel, die sich weigern, aufzuwachen.

Hinein in die irdische Welt, die schläft,
Die sich kaum traut zu träumen,
Wo sogar die wachesten Gemüter beinahe verlieren
Den Sinn für ihre Bestimmungen, die Liebe in ihren eigenen Herzen.

Wir reisen weiter, du wählst den rechten Weg, ich den linken,
Für immer verbunden, spielen wir das ewige Spiegelspiel
Des Zusammenkommens, des sich Trennens,
Der Stille in Frieden und des Schreis nach einander.

Unendliche Erneuerung erwartet uns wieder und wieder
So reisen wir hier hin, auf die Erdebene,
Zu erfahren Sterblichkeit, Endlichkeit, Ende und Tod,
Zu erfahren das Unmögliche in der Ewigkeit.


Die Ersten Frühlingsvögel
(dcr, 2009)

Um der Rosen süßes Parfum webt
Der Nebel seine Milchschleier,
Kalt legt er sich nieder
Auf blütene Haut,
Die warm auf liebenden Herzen;
Romantische Vision.

Wie ich die ersten Frühlingsvögel liebte,
Ihrem Lied lauschend, wie nur sie es je singen,
Erreichte es die Knospen meiner Fantasie,
Von Rosen noch nicht geboren,
Und Träumen noch nicht geträumt.


Briefe In Sand
(dcr, 2009)

Er schien durch den Spalt der Seele,
Sprach mit dem kindlichen Ich,
Das Kind antwortete lächelnd:
Ich kann Dich hören, nun sprich!

Er freute sich und blies die Fanfaren,
Sie hörte geduldig ihm zu,
Er erzählte von Meer und Spiralen
Und Seelen voll Information.

Der Ort, an dem sie sich trafen,
War’n nicht die Berge, die sie erklomm,
Es war ihre kindliche Seele.
Die im Antlitz seiner strahlenden Brandung erglomm.

Das Kind steht noch immer dort in den Bergen
Und hört dem weisen Mann zu,
Der sitzt schweigend auf der Hoffnung,
Der hofft ewig und hält den Kreis zu.

Ich rüttele nun an der Kerbe,
Die ich als Kind im Kreis fand;
Ich rüttele und rüttel’ und sterbe,
Und schreib‘ meine Briefe in Sand…


Im Einklang
(dcr, 2006)

Im Einklang segelt das Schiff weiter,
Menschen harren aus, die Sonne untergegangen,
Kalte Brisen auf der Haut,
Doch ich werde bleiben und noch ein wenig warten.

„Laß uns sein“, sagt er, „im elektrisch-pulsierenden Schlag meines Herzens“,
Feengleich und scharlachrot,
Fragt er mich, ob ich noch da sei,
Ich sage „ja, wie ich es immer war, wie ich es immer sein werde.“

Der Klang der Stadt, Rhythmus, Schauer, Erinnerungen
An das alte, geliebte Gefühl,
Das mir dich ganz transportiert,
Du, der nie hier ist, du, der immer hier ist.

Und ich bin so voller Freude und denke in mich hinein,
„Nun, es ist gut, das Feuer zu spüren,
Das sich nie verändert; das immer weiterflackert,
Es ist gut, an Träumen festzuhalten.“

Und wie jetzt, am Rande der Nacht, die Liebe Unterschlupf
In deinem Herzen sucht, in jeder Falte deines Geistes,
Gebe ich mich, mit Leichtigkeit, jedem schwindelerregenden Moment hin,
Den du mir auf unserer langen Suche nach Balance beschehrst.


Wir Sind Die Berge
(dcr, 2006)

Diese Berge
Tragen das Gesicht der Barriere;
Ich bin einige von ihnen hochgeklettert,
Und von ihren Graten aus
Konnte die Sicht nur von den Wolken verblendet werden.
Ich konnte den Klang der See hören,
Und ich konnte die Winde fühlen,
Und die einzige Barriere, die ich fand,
War meine eigene Stärke,
Meine eigene Schwäche…
Seelen sind die Berge!
Wir werden unsere Wolken!
Wolken sind der Nebel des Krieges,
Sie löschen die Reflexion der Sonne
Auf den Blumenfeldern aus.
Oft weiß ich nicht;
Es ist in solchen Momenten, daß ich mich vorlehne
Und springe, um zu fliegen…


Seelenpartner
(dcr, 2006)

Ich bin nur eine Stimme,
Doch du hörst mich durch viele Träume rufen.
Ich werde dir sagen, daß du nicht verloren bist
Und daß die Sonne über dir aufgehen wird,
Gerade wenn du denkst, es sei Nacht.
Wenn du fühlst, daß du gerade ertrinkst,
Werde ich dir sagen, daß du unter Wasser atmen kannst.

Viele Leben wurden damit verbracht zu warten,
Auf eine Umarmung, ein Lächeln, Verstehen.
Viele Leben wurden in diesem Leben gelebt,
Viele werde an dir vorübergehen… dir Auf Wiedersehen winken…
Ich werde bleiben. Das ist mein Versprechen an dich.

Es gibt eines, was ich dir anbieten kann:
Ich biete dir meine Liebe.
Wenn du meine Liebe willst.
Du musst sie nur annehmen.
Nähmest du sie nicht an,
Ich wäre traurig,
Der Frühling käme nicht, und es wäre winterkalt
Nähmest du sie nicht an.

Und so erzähle ich dir davon,
Daß die Bäume noch immer grün sind
Und die Himmel noch immer blau
Und daß, wenn ich sie sehe, ich an dich denke,
Ich erzähle dir von einer Welt,
Die du einst kanntest.

Schau noch einmal aus dem Fenster
Und erzähle mir von allem, was du da siehst,
Und ich verspreche dir, alles, was du siehst, bin ich.
Ich bin die Burg auf dem Berg da oben,
Ich bin der Turm in dem Dorf dort,
Ich bin die Blätter des Baumes, die Bäume und die Winde.

Ich bin nur eine Stimme,
Doch du hörst mich durch viele Träume rufen.
Ich werde dir sagen, daß du nicht verloren bist
Und daß die Sonne über dir aufgehen wird,
Gerade wenn du denkst, es sei Nacht.
Wenn du fühlst, daß du gerade ertrinkst,
Werde ich dir sagen, daß du unter Wasser atmen kannst.


Ode An Die Zukünftige Vergangenheit
(dcr, 2006)

Nie war es so leer tief in mir,
Und doch hinterläßt dein Funke noch immer seine Spur;
Jahre der Hoffnung, Jahre der stillen Gebete,
Die Jahre vergingen, doch du bist noch bei mir.

So mancher Traum wurde geträumt in all den vergessenen Zeiten,
So manches Lied wurde gesungen, sie werden nie vergehen,
Lieder von Liebe und endlosen Tagen des Grübelns,
Gesungen in Nächten, in denen wir uns an ferne Orte träumten.

Sie sagen, die Träume werden bald vergehen,
Sie sagen, es scheint, es sei alles sehr spät,
Und doch warte ich geduldig, obwohl das Licht verdunkelt ist,
Ich gehe meinen Weg, und ich gebe niemals auf.

Hinter den Träumen halte ich Ausschau nach unserem Morgen,
Die Vision deiner Wunder änderte sich nie,
Ein lächelnder, flüchtiger Blick erzählt Geschichten eines Sonnenscheins,
Der in den Abendstunden nie vergeht…

Die Geschichten in meinem Herzen sprechen von einer Sehnsucht
Die mich jeden Tag eine brandneue Nacht herbeisehnen läßt;
Jede Sekunde meines Lebens bin ich mein Lernen,
Jeden Moment des Tages bin ich meine Nacht.

Manche Träume sollten niemals wahr werden,
Manche wurden es und wären’s besser nicht,
Und ich blicke zurück und frage mich, wie wir hier hinkamen,
Und ich blicke nach vorn und frage mich, wo wir sind:

Wir selbst sind Träume, ein Gebet an das Licht,
Leichtfüßig über seidene Netze, Herzen, die die Nacht suchen,
Das ist der Ort, wo wir sind, und was wir sind,
Ist der Kompaß tief in uns.


Doch Ich Bin Nicht Mehr Sie
(dcr, 2006)

Ich wische den Unmut von meinem Gesicht,
Während ich den Mond aufsteigen sehe;
Die Dämmerung der Nacht bringt mir Antworten
Über vergangene Zeiten, vergangene Wege.
Und obwohl ich versuche, ihrem Rat zu folgen
– “Blicke auf die Zukunft!” –
Zerstreut sich mein Geist, schaut er auf die vielen Bilder,
Hört weit entfernte Rufe, von Stimmen nie gehört.

Und mein Körper scheint wie eine endlose Kette von Erinnerungen;
Drum rüttele ich mich selbst wieder wach,
Versuche wieder, ihrem Rat zu folgen:
“Blicke auf die Zukunft!”
Und frage mich, wie die Sonne dämmern wird
Und warum der Helm der Wahrheit
Gleichzeitig Schutz und der Grund des Falls ist,
Beides, süße Täuschung, süßer Wahn.

Doch ich bin nicht mehr sie,
Sie, die auf Erfüllung wartete,
In endlosem Brauchen des Rufes nach Zugehörigkeit
Ich bin jetzt ich.
Und wo ich mich vor langer Zeit fragte,
Was sein wird, wenn ich sein werde,
Was andere geworden sind – kann ich jetzt lächeln,
Ein wenig, und sagen: Seht Ihr? Wir sind hier…


Licht Im Spiegel
(dcr, 1998)

Verruchte Viertel, in denen
Sich wie bei Erde und Mond
Ein Licht im Spiegel betrachtet.
Ein zaghaftes Lächeln entschwindet,
In säumigen Falten verhüllt,
Und ganz ohne Grund verachtet.

Die Melodie einer Flöte,
Gespenstisch verknotet im Lauf,
Geht Leitern, nach unten gepachtet,
Mit quadrierten Vierteln gemästet
Und doch fast wie Balsaholz;
Im Duo zu obertonlastig.

Eine knarzende Schwingtür mißhandelt
Zwei Zahnräder, eisern gebraucht,
Uneinig abnutzend verhaftet.
Die Rache der Räder ist ölig,
Ihr Schrei hat den Menschen gestört,
Befleckt ruht die Tür nun und wartet.

Verruchte Viertel, in denen
Sich wie bei dir und mir
Ein gemeinsames Lied selber spielt –
Die Melodie einer Flöte,
Verknotet, gestört und verbraucht,
Doch ganz ohne Grund verachtet.


Kind der Welt
(dcr, 1998)

Ein Blick auf die Zeit verrät mir,
Daß ich müde geworden bin.

Meine Hoffnung darbt
An der Gleichgültigkeit,
Wird sie an ihr zerbrechen?

So gebe ich mich hin dem Strom der Zeit,
Lese Vergangenheit und Zukunft;

Im Rhythmus meiner Selbst
Will ich mich finden,

Will ich die Ängste und die Sehnsucht
Nach Geborgenheit erfahren
Und die Konturen meiner Stille klar umreißen.

Angst hab’ ich nicht, doch weiß ich,
Daß der Tod mich nicht verdient,
Der viele Seelen einverleibt.

Ich will allein mit mir im Untergang
Noch einmal hier geboren werden

– Ist diese Welt auch nicht die meine,
Ich liebe sie und ihre Kinder.


Hab’ Keine Angst
(dcr, 1998)

Alles fließt.

Hab‘ keine Angst.

Auch du wirst eines Tages
Die unendliche Schönheit
Deines verlorenen Ichs
Entdecken und erkennen,
Daß deine Einsamkeit
Dein Glück nicht nur verdeckt,
Sondern emporhebt
Zu den tragenden Wellen deines Seins,

Hab‘ keine Angst,

Wenn du dich selbst nicht mehr verstehst,

Hab‘ keine Angst,

Doch lauf‘ nicht fort,
Vorbei an der Finsternis, nein,
Tauche ein in die Vergänglichkeit,
Verlaß den Weg, doch bleib‘,
Denn nichts macht Angst,
Als der verlassene Pfad des sich’ren Ichs,
Du bist in dir
Und kannst dich nicht verlassen,
Wenn du im Kreis dich drehst…

Nun brichst du aus,
Willst es in Qual mit dir gemeinsam fassen,
Gibst dir noch keine Chance…

Hab‘ keine Angst,

Dein Körper sieht
Die Wunden deiner Seele
Und ist dein bester Freund
Für deine Zeit.
Glücklich sein
Ist schwer allein, weinst du auch
Um die Zukunft?

Hab‘ keine Angst.

Alles fließt.


Ich Lieb’ Dich Sehr
(dcr, 1998)

Wer bist du, daß du mir gefällst,
Wer bist du, daß du mir entstellst
Mein Herz – ach! Laß mich geh’n.
Entschwinden dir auf’s Nimmermehr,
Auch wenn es schmerzt.

Ich sah dich kommen, sah dich geh’n,
Oh Gott, ich werd’s wohl nie verstehen,
Daß ich dich, ich weiß es wohl,
Hab‘ in den Arm geholt
Noch einmal mehr.

Jetzt bist du da, und ich bin hier,
Und wär‘ ich da, du wärst wohl hier!
Ach, laß mich geh’n , einfach nur geh’n,
Dich einfach nie mehr wiederseh’n
Ich lieb‘ dich sehr.


Wenn Alle Liebenden Zusammen
(dcr, 1995)

Wenn alle Liebenden zusammen,
Alle Herzen steh’n in Flammen,
Und alles neu, so gut und schön,
Obwohl man Angst hat hören geh’n,
Wenn jeder Windhauch prophezeit,
Daß hierauf folgt nur Einsamkeit,
Auf die so stark entfachte Glut,
Dann sind wir beiden, du und ich,
Einander gut.

Und traust du dich zu sagen,
Was tief in deinem Innern dich bewegt,
So werde ich dich fragen,
Ob meines Atem Hauche dich belebt,
So wie die Blume blüht, wenn Sonne sie bedeckt,
So wie die Glut durch zarte Luft
Ein Feuer facht so groß.

Doch kommt der Tag, wo alles wird zerbrechen,
Ich gehe fort, allein, ohn‘ Unterlaß,
Werd‘ suchen eines friedlicheren Ortes,
Wo Gott mag schlichten meinen Haß.
Und eines Tages sehe ich dich wieder,
Die Glut in meinem Herzen fängt zu brennen an,
Das Feuer, das von dir entfacht, wird größer,
Und als du mich erblickst,
Bin ich verbrannt.


Schicksal
(dcr, 1993)

Gerade sah ich dich
In Lebensgröße vor mir stehen.
Und jetzt – weg!
Ein Traum! – wie eine
Seifenblase zerplatzt.
Einfach wieder verschwunden.
Einfach –
Oh nein! Einfach will ich es
Dir nicht machen.
Ich werde dich für immer
Gefangenhalten.
Auch wenn du denkst,
Du hättest es geschafft,
Dann ist da immer noch
Dieser eine dünne, unsichtbare,
Doch unzerreißbare Faden,
Der uns zusammenhält.
Sieh‘ doch ein,
Daß es keinen Zweck hat,
Vor dem Schicksal davonzulaufen.


Seelenpuzzle
(dcr, 1993)

Siehst du – sage ich,
Doch du siehst weg;
Weißt du – frage ich,
Doch du willst nicht wissen;
Meinst du – sage ich,
Doch dir ist alles gleichgültig.
Dann sehe ich dir in die Augen
Und entdecke diesen ewigen Funken,
Der auch mich beherrscht,
Und der mir verrät, daß
Auch du zwei Seelen hast.


Das Licht
(dcr, 1993)

Kälte – ich erfriere!
Doch da ist wieder dieses seltsame,
Helle Licht,
Das Wärme mit sich bringt,
Licht, das nicht alle Menschen sehen,
Licht, das manchmal unglaubliche Kraft verströmt,
Licht, das von der Liebe ernährt wird,
Die vom Licht erwärmt wird –
Und wenn ich weine,
Dann ist mir das Licht am nächsten.


Traumwelt (1992) | Traumwelt II (2009)

(dcr, 1992)
Ich zittere,
ein Windhauch löst mich aus meinen Träumen,
die sich wie eine endlose Kette aneinanderreihen
und doch unerreichbar sind.
Meine Gedanken klammern sich fest an diesen Träumen,
lassen sich nicht lösen.
Ich kann mich nicht konzentrieren,
es ist wie eine Leinwand vor meinen Augen,
auf die ich ständig zu sehen scheine –
und doch ist alles so unbegreiflich weit entfernt.

(dcr, 2009)
Ich zittere nicht mehr.
Der Windhauch löst mich aus meinen Träumen,
Die sich wie eine endlose Kette aneinanderreihen,
Und sie sind so erreichbar wie jeder Ort im Leben.

Meine Gedanken halten sich fest an diesen Träumen,
Während die Träume sich an meine Gedanken klammern,
Und jetzt weiß ich, da ist kein Abtun,
Konzentration ist eine Sache der Selbstkontrolle.

Es ist tatsächlich wie eine Leinwand,
In die ich ständig zu gehen scheine,
Und nichts ist weit weg,
Es ist immer nah, umgibt mich.
Elektrisches Summen surrt durch meine Zellen,
Der Energierausch zieht mich weiter in die Bilder hinein,
Die Klänge sickern in meine Seele,
Klänge von Stimmen, Wispern, Musik.

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