Eris und Eros

Eine Antwort

Denken und Kommunikation trenne ich hier nun noch einmal, um einen tieferen Einblick zu nehmen, denn der Agon ist mir zwar lieb, aber er ist eine andere Kommunikationsform als beispielsweise die Reflexion.
Für die Reflexion ziehe ich mich zurück, ich gehe nach innen, und obwohl auch das eine Form der Kommunikation, nämlich mit meinem inneren Kern und allem, von wo aus ich dorthin wiederum hinausreichen und anknüpfen und angeknüpft werden kann, darstellt, so ist diese Kommunikationsform doch eine gänzlich andere als der Agon, für den ich direkt nach außen gehe und mein Reflexionsarsenal dabei zur Anwendung bringe.
Wiederum hat der Agon gar keine Bedeutung per se, wenn er nicht der eigenen, innewohnenden Freude dient. Es kann auch das härteste Gefecht der Freude dienen, und sobald dieser Aspekt zu weit außer Reichweite gerät, ist der Gang nach innen, zur oben beschriebenen Reflexion, erforderlich. Denn sonst unterliegt man. Nicht dem Fecht- oder Sparringpartner, sondern der eigenen Zielverirrung. Wofür ficht man schließlich? Nicht für einen Energieverlust.Und hier liegt die Brücke auch zur Körperlichkeit des Denkens, die Brücke zwischen intellektueller Energie und physischem Körper. Was füttert man wie? Und für welchen Zweck? Und *warum?
Kein Agon läßt einen unterliegen, der um Wissen gefochten wird, der bereichert alle Beteiligten. Dies aber erfordert den reineren Agon, der zum Ziel hat, Wissen wirklich zu mehren, nicht für Namen und Ansehen eine Attrappe aufzustellen, nicht für Geld, nicht für ein Phantom. Sondern für wahres Interesse am Sujet und für den Blick auf die Welt, die das Rätsel und alle Antworten auf ihr Rätselsein beherbergt. Der Faden der Ariadne taugt nichts, wenn jemand ihn als Trophäe nur verkaufen will. Er muß schon der Kenntnis des Labyrinthes dienen, sonst wird er zum Gegenstand des Nihilisten. Mehr noch, er wird sein Haßobjekt, denn dieser Faden repräsentiert ab da alles, was der Nihilist nicht fassen kann und wofür er nicht die richtigen Fragestellungen durch Reflexion in die Welt wirft, die ihm daher die Antworten verwehrt. Die Antwort zum Problem liegt in ihm, doch er wird den Faden und nur den Faden für seine Fadenscheinigkeit hassen. Dabei bräuchte er nur die Perspektive zu verändern und den Schäferhund anders behandeln.
Der reine, im Gegensatz zum reineren, Agon aber kann so oder so nur unter den Liebenden ausgefochten werden, und er ist ein Weg von mehreren zum Fünften Element, der Quintessenz, dem sogenannten Stein der Weisen. Die Urkunstform der intellektuellen Vermehrung hat hier ihren Sitz. Hier liegt eine der Ranken letztlich auch der körperlichen Reproduktion, denn es handelt sich hierbei um Kräfte, die miteinander ringen, teils zusammen für dasselbe Ziel, teils gegeneinander für das jeweils hehrere Ziel, und ab da wird aus Eris Eros. Ein subtiles Moment, das diese beiden Aspekte miteinander in Beziehung setzt und zu Fruchtbarkeit führt.
Schulen führen nicht in dieses Wissen ein. Sie lehren zwar Aspekte des Fadens, aber sie bringen eins und eins nicht zusammen, was daran liegt, daß intellektuelle Energie nicht als eigenständige, reale Wirkkraft in Perspektive gesetzt wird.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s