Gedanken zu Nemesis

06/2019

Nemesis ist das, was die Säule wieder aufrichtet und Balance wiederherstellt. Deswegen ist es Unsinn, Nemesis als Zerstörer zu betrachten. Nemesis belebt wieder.
Ich bin mir nicht sicher, aber es könnte sein, daß ’nemein‘ mit ‚manen/manes‘ (ne-mein) in Verbindung steht und damit mit Amertat. Es würde so Sinn machen, daß Nemesis eine Furie ist, wobei Furie = Peri. (Vielleicht sieht jemand die Konsonanten- und Vokalverschiebung.) Tatsächlich hat das mit Raserei nichts zu tun, sondern mit Balanceschaffung. Es wäre dann auch das Wort „Manie“ mißplatziert, denn die Manen stehen en par mit Amertat (Unsterblichkeit der Seele). Der Städtename Mantua referenziert letztenendes dasselbe Prinzip, basierend auf dem Licht der intellektuellen Energie, das kontextuell mit Amertat als unsterblich betrachtet wird. Wenn man einmal die Verkultung dieses Prinzips wegnimmt, dann sieht man schnell: es ist etwas sehr Privates, das aber immer ins Kollektive hineinragt, weil die Privatheit des Geistes an sich, der intellektuellen Energie also, sich in einer diaphragmaartigen Umgebung befindet. Ähnlich der Natrium-Kalium-Pumpe. Selbst die Haut schottet unsere Organe nicht von der Umwelt ab, sie bietet nur relativen Schutz. Sie atmet nämlich unaufhörlich.
Nemesis funktioniert daher nicht nach festgelegten Parametern und schon gar nicht im Sinne von Zerstörung als Ziel, sondern im Sinne von Wiederherstellung als Ziel (das ist „Leben“). Nemesis ist ein individueller Prozeß. Deswegen sind die Erinnyen („Eumeniden“/ref. Manen [Men]) etwas Privates. Die Verkultung in der Antike bedeutete eine Art Verstaatlichung privater Gefühle, ähnlich dem katholischen Beichtstuhl wurde das ursprünglich private Durchfühlen und Durchdenken (Reflektieren) ritualisch nach außen gestülpt, und es wurden geistig verpflichtende Erwartungshaltungen an den „Tempelgänger“ von außen gerichtet.
In Schumanns „Das Paradies und die Peri“ erfährt dieser Prozeß eine Umkehrung, deswegen gefällt mir die Geschichte so. Zwar tritt ein richtender Engel im Sinne der Nemesisvertretung auf, aber am Ende highlighted diese Figur nur, daß der Eintritt ins „Paradies“ ein persönlicher Erkenntnisprozeß, nämlich die *wahrgeweinte Träne*, ist. Es geht hierbei also nicht mehr um Beschwichtigung von irgendwelchen angeblich blutrünstigen Damen (deplatzierter Furienbegriff), wie es bei den Griechen eine Zeit lang gehandhabt wurde, sondern um das *eigene Erkennen* von Strukturen und das Darüberhinausgehen (Feststellen, Sehen, Verarbeiten, Weiterentwickeln/*Evolution). „Furien“ („Eumeniden“) repräsentieren also den privaten, lebendigen Geist des Gewissens durch intellektuelle Energie (ein Fluidum), und es ist letztlich die eigene Seele, die die Nemesis inkorporiert (bedeutet: die Seele nimmt es mit der Nemesis auf sich; was übrigens sehr sexy ist…). Die schöne Lehre in „Das Paradies und die Peri“ ist, daß das Gewissen somit nicht nur das Privateste ist, was ein Mensch besitzt (die Seele als Eigentümer), sondern auch der Schlüssel zur Evolution.

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